Ausbildung als Fluglotse/Fluglotsin

Fluglotsen und Fluglotsinnen überwachen und leiten vom Tower oder vom Kontrollzentrum aus den Luftverkehr. Mithilfe von Radarschirm und Flugfunkdienst gewährleisten sie einen sicheren und reibungslosen Verkehrsablauf in ihrem Sektor.

Die Ausbildung im Überblick

Fluglotse/Fluglotsin ist eine 3-jährige Ausbildung, die bundesweit einheitlich geregelt ist.

Vorausgesetzt wird die allgemeine Hochschulreife .
Darüber hinaus wird für den Zugang zur Ausbildung gefordert:
  • Mindestalter von 18 Jahren
  • Höchstalter von 24 Jahren
  • Nachweis der medizinischen Tauglichkeit durch Vorlage eines Tauglichkeitszeugnisses
  • Nachweis der geistigen und psychologischen Eignung
  • Bewerber/innen müssen über einen ausreichenden Wortschatz verfügen und eine flüssige, fehlerfreie Konversation in englischer Sprache über allgemeine Themen führen können. Gleiches ist in Abhängigkeit von der Erlaubnis, die erworben werden soll, für die deutsche Sprache nachzuweisen.
  • Wer sich regelmäßig in nicht allgemein zugänglichen Bereichen des Flugplatzgeländes aufhält, benötigt eine Bestätigung der Zuverlässigkeit von der Luftsicherheitsbehörde.
  • Wenn sicherheitsempfindliche Tätigkeiten ausgeübt werden sollen, muss eine Sicherheitsüberprüfung durchgeführt werden.

Auswahlverfahren

Durch ein Auswahlverfahren wird vor Ausbildungsbeginn sichergestellt, dass die zukünftigen Fluglotsen und -lotsinnen über die nötige körperliche Tauglichkeit und psychologische Eignung sowie über ausreichende Kenntnisse der englischen Sprache verfügen. Diese sollten dem Niveau eines Englisch-Leistungs- oder -Grundkurses oder einem Sprachzertifikat des Levels C1 des Common European Framework of Reference for Languages entsprechen. Außerdem dürfen Sehkraft und Hörvermögen nicht eingeschränkt sein.

Typische Branchen

Fluglotsen/Fluglotsinnen finden Beschäftigung

  • bei der DFS Deutsche Flugsicherung GmbH
  • bei Flughafenbetrieben
  • bei der Bundeswehr

Wichtige Schulfächer

Vertiefte Kenntnisse in folgenden Schulfächern bilden gute Voraussetzungen für eine erfolgreiche Ausbildung:

Technik:

Angehende Fluglotsen und -lotsinnen lernen, mit Radar- und Computersystemen umzugehen. Technische Vorkenntnisse sind hier von Vorteil.

Mathematik:

Während der Ausbildung lernen angehende Fluglotsen und -lotsinnen aus den zweidimensionalen Bildern des Radarschirms die dreidimensionale Welt des Luftraums zu erfassen. Mathematikkenntnisse – wie Grundrechenarten und Dreisatz -, räumliches Denken sowie ein sehr gutes Zahlenverständnis sind unabdingbar, insbesondere für das Unterrichtsfach Navigation.

Englisch:

Englisch ist die vorrangige Sprache im Flugverkehr. Schon in der Ausbildung sind gute Englischkenntnisse wichtig, um mit den Piloten oder ihrer Crew im Luftverkehr sicher zu kommunizieren.

Interessen

Folgende Interessen sind wichtig und hilfreich, um diesen Beruf erlernen und ausüben zu können. Die Interessen sind in der Reihenfolge ihrer Wichtigkeit genannt. Zu jedem Interessenbereich werden zur Veranschaulichung Tätigkeiten genannt.
  • Interesse an organisatorisch-prüfenden Tätigkeiten
    • z.B. ständiges und genaues Kontrollieren aller Start-, Lande- und Flugbewegungen
    • z.B. Überwachen der Einhaltung von Vorschriften und Weisungen für den Flugverkehr
    • z.B. Planen und Koordinieren von Starts, Landungen und Flugrouten; Durchführen von Koordinierungen mit benachbarten Flugsicherungsstellen
  • Interesse an sozial-beratenden Tätigkeiten
    • z.B. Informieren und Betreuen der Flugvorbereitung und der Führer/innen von Flugzeugen bei Gewitterlagen, Turbulenzen, Vereisungsgefahr und anderen meteorologischen Fragen
    • z.B. Informieren, Beraten und Betreuen von Flugbesatzungen bei besonderen Vorkommnissen wie Unfällen, Schadensfällen oder anderen Störungen
  • Interesse an theoretisch-abstrakten Tätigkeiten
    • z.B. Kontrollieren und Überwachen von Radar-, Navigations- und Informationsübertragungsanlagen, sachgerechtes Auswerten der erhaltenen Informationen und Einleiten der erforderlichen Maßnahmen
    • z.B. sachkundiges Einschätzen von Gefahrenlagen und Treffen der notwendigen Entscheidungen

Fähigkeiten, Kenntnisse und Fertigkeiten

Folgende Fähigkeiten, Kenntnisse und Fertigkeiten werden benötigt, um den Beruf lernen und ausüben zu können. Bei einigen Fähigkeiten wird ein Ausprägungsgradgenannt. Dieser gilt für den mittleren oder typischen Vertreter dieses Berufes.

Fähigkeiten

  • Gut durchschnittliches allgemeines intellektuelles Leistungsvermögen
  • Gut durchschnittliches rechnerisches Denken(Beispiele siehe unter Kenntnisse und Fertigkeiten)
  • Gut durchschnittliches sprachliches Denken(Beispiele siehe unter Kenntnisse und Fertigkeiten)
  • Gut durchschnittliches räumliches Vorstellungsvermögen(z.B. bei Arbeiten am Monitor als Tower- oder Centerlotse bzw. -lotsin)
  • Beobachtungsgenauigkeit(z.B. den Verkehr auf Start-, Landebahn und auf dem Radarschirm genau im Blick behalten)
  • Konzentration(z.B. gleichzeitig mehrere Flugzeuge beobachten und lotsen)
  • Daueraufmerksamkeit(z.B. Kontrolle des Luftverkehrs per Monitor; Beobachten der Flugzeuge auf Start- und Landebahn)
  • Umstellungsfähigkeit(z.B. schneller Wechsel zwischen Sprechen, Schreiben und Hören, um den Flugverkehr zu steuern)
  • Reaktionsgeschwindigkeit(z.B. Abweichungen der Flugroute am Monitor erkennen und sofort reagieren)
Hinweis: Die Ausprägungsgrade beziehen sich auf Personen mit mittlerem Bildungsabschluss.

Kenntnisse und Fertigkeiten

  • Rechenfertigkeiten(z.B. rasches Überschlagen der von technischen Flugsicherungssystemen gelieferten Daten)
  • Verständnis für mündliche Äußerungen(z.B. aufmerksames Zuhören und Verstehen der Piloten und Pilotinnen über Boden-Bord- oder Boden-Boden-Funksprechverkehr)
  • Mündliches Ausdrucksvermögen(z.B. klare Anweisungen per Funksprechverkehr an die Piloten und Pilotinnen der Flugzeuge geben)

Grundlegende Ausbildung zur Erteilung einer Auszubildendenlizenz

Erlaubnis Flugplatzkontrolle an Flugplätzen mit Instrumentenflugbetrieb (ADI)

  • Grundkurs Flugverkehrskontrolle (z.B. Flugwetterkunde, Flugfunkdienst, Flugdatenbearbeitung)
  • Erlaubniskurs für Flugplatzkontrolle (z.B. Einweisung in das Simulationssystem, Flugplatzkontrollverfahren, praktische Übungen und Simulation)
Für den zusätzlichen Erwerb der Befugnisse
  • Nutzung von Radar zur Luftverkehrsbeobachtung (RAD)
  • Nutzung von Radar zur Luftverkehrskontrolle (RAD-S)
  • Nutzung von elektronischer Rollverkehrsdarstellung (GMS)
sind weitere Kurse zu absolvieren.

Erlaubnis Anflugkontrolle an Flugplätzen mit elektronischer Luftverkehrsdarstellung (APS)

  • Grundkurs Flugverkehrskontrolle (z.B. Flugwetterkunde, Flugfunkdienst, Flugdatenbearbeitung)
  • Erlaubniskurs für Anflugkontrolle (z.B. funktionsspezifische Kenntnisse aus den Bereichen Flugwetterkunde, Navigation, Luftfahrzeuge und Flugsicherungstechnik)
Für den Erwerb zusätzlicher Befugnisse sind weitere Kurse zu absolvieren.

Erlaubnis Bezirkskontrolle mit elektronischer Luftverkehrsdarstellung (ACS)

  • Grundkurs Flugverkehrskontrolle (z.B. Flugwetterkunde, Flugfunkdienst, Flugdatenbearbeitung)
  • Erlaubniskurs für Bezirkskontrolle (z.B. funktionsspezifische Kenntnisse aus den Bereichen Flugwetterkunde, Navigation, Luftfahrzeuge und Flugsicherungstechnik)
Für den Erwerb zusätzlicher Befugnisse sind weitere Kurse zu absolvieren.

Betriebliche Ausbildung zur Erteilung einer Fluglotsenlizenz

Während der betrieblichen Ausbildung erwirbt man Kenntnisse z.B. über die Organisation der Flugsicherungsstelle, die örtliche Luftraumordnung oder die allgemeine technische Ausrüstung.

Spezialisierung während der Ausbildung

In der betrieblichen Ausbildung spezialisiert man sich entweder im Bereich Tower (Towerlotse/-lotsin) oder im Bereich Center (Centerlotse/-lotsin).

Aufgaben und Tätigkeiten kompakt

Fluglotsen und Fluglotsinnen kontrollieren die Bewegungen aller Luftfahrzeuge auf den Flughäfen und in einem zugeteilten Luftraum, dem sogenannten Sektor. Von den Kontrolltürmen oder -zentralen aus überwachen sie als Tower- oder Centerlotsen und -lotsinnen ihren Sektor am Radarschirm und regeln die zeitlichen und räumlichen Abstände zwischen Flugzeugen, damit sie sich nicht gegenseitig behindern oder gefährden.
Per Sprechfunk geben sie Anweisungen für Start, Landung, Steig- oder Sinkflug und versehen Flugzeugführer/innen mit den Angaben, die für einen sicheren Flug wichtig sind. Sie halten auch Kontakt zum Wetterdienst und den Flughafengesellschaften.

Aufgaben und Tätigkeiten (Beschreibung)

Worum geht es?

Fluglotsen und Fluglotsinnen überwachen und leiten vom Tower oder vom Kontrollzentrum aus den Luftverkehr. Mithilfe von Radarschirm und Flugfunkdienst gewährleisten sie einen sicheren und reibungslosen Verkehrsablauf in ihrem Sektor.

Argusaugen für den Himmel

Täglich bewegen sich rund 10.000 Flugzeuge im Luftraum über Deutschland. Um die Sicherheit zu gewährleisten, bleiben alle kontrollierten Flüge – das sind praktisch alle Linien-, Charter- und Frachtflüge – vom Start bis zur Landung in der Obhut der Flugsicherung. Dort arbeiten Fluglotsen und Fluglotsinnen rund um die Uhr und stehen ständig per Funk mit den Flugzeugführern und -führerinnen in Verbindung. Sie teilen den Piloten bzw. Pilotinnen das Abflugverfahren mit und erteilen auch die Startfreigabe. Sehr gute Englischkenntnisse sind dabei erforderlich – nach internationalen Regeln ist Englisch die Sprache des Luftverkehrs.
Die Anforderungen für ihre Arbeit sind hoch: Fluglotsen und Fluglotsinnen müssen ein gutes Gedächtnis haben, verantwortungsbewusst und schnell handeln können. Im Flugfunk sprechen, schreiben und hören sie gleichzeitig. Keinen Augenblick darf dabei ihre Aufmerksamkeit abschweifen, denn das könnte schwere Unfälle zur Folge haben.

Tower mit Aussicht

Im Kontrollturm, dem sogenannten Tower, koordinieren Fluglotsen und Fluglotsinnen den Verkehr auf den Start- und Landebahnen sowie im Luftraum in unmittelbarer Flughafennähe per Sprechfunk. Oft haben sie Sichtkontakt zu den Maschinen, die sie dirigieren, und verlassen sich neben der Radarkontrolle auch auf das bloße Auge. Auf der Towerfrequenz erteilen sie den Cockpit-Crews per Funk die nötige Erlaubnis zum Anlassen der Maschinen, zum Starten und Landen. Nach dem Start übergeben sie die Überwachung an die An- und Abflugkontrolle, die den Abflug bis zu einer vorgegebenen Höhe leitet.

Sicher von Sektor zu Sektor

Nach dem Start übergibt der Tower die Flugzeugkontrolle an die Centerlotsen und -lotsinnen. Sie dirigieren Flugzeuge über die Luftstraßen und fädeln startende und landende Maschinen in den Verkehr ein. Centerlotsen und -lotsinnen arbeiten ausschließlich über Radar und haben im Gegensatz zu Towerlotsen und -lotsinnen keinen Sichtkontakt zu den Flugzeugen. Dennoch darf ihnen keine Bewegung am Himmel entgehen.
Auf seiner Flugstrecke durchquert ein Flugzeug mehrere Bezirkskontrollstellen. Das erfordert Teamarbeit: Die Fluglotsen und Fluglotsinnen arbeiten Hand in Hand und leiten die Flugzeuge von Sektor zu Sektor weiter. Unter Umständen müssen sie ein Dutzend Flugzeuge gleichzeitig im Blick haben – das erfordert höchste Konzentration. Bei unerwarteten Entwicklungen gilt es, blitzschnell zu reagieren und sofort Weisungen herauszugeben, die einen möglichen Zusammenstoß verhindern. Verlassen Piloten oder Pilotinnen ohne Freigabe die zugewiesene Luftstraße, werden sie von Centerlotsen und Centerlotsinnen aufgefordert, den korrekten Kurs wieder aufzunehmen. In kritischen Situationen und Notfällen ermöglichen die Lotsen bzw. Lotsinnen dem betroffenen Flugzeug eine schnelle Landung, damit umgehend geholfen werden kann.

Aufgaben und Tätigkeiten im Einzelnen

  • Besatzung bei der Flugvorbereitung und während des Fluges unterstützen
  • Luftverkehr nach Instrumentenflug- und Sichtflugregeln kontrollieren und regeln
  • Boden-Bord- und Boden-Boden-Funksprechverkehr in englischer Sprache abwickeln
  • ständige Koordinierung mit benachbarten in- und ausländischen Flugsicherungsstellen durchführen
  • Entscheidungen bei Gefahrenlagen wie Ausfall der Boden-Bord-Verbindung, Vereisungsgefahr, Gewitterlagen und Turbulenzen oder Störungen an Triebwerken und anderen Anlagen treffen
  • Meldungen bei besonderen Vorkommnissen durchführen, z.B. bei Luftfahrzeugunfällen, Schadensfällen oder Störungen
  • mit dem Flugwetterdienst zusammenarbeiten sowie meteorologische Betreuung der Luftfahrzeugführer/innen bei der Flugvorbereitung durchführen
  • Kontakt zu Wetterbeobachtungs- und Wettermeldedienst halten
  • Einhaltung von Vorschriften und Weisungen überwachen

(berufenet.arbeitsagentur.de)

Foto: panthermedia.net/agiampiccolo

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