Ausbildung als Forstwirt/-in

Forstwirte und Forstwirtinnen pflegen und bewirtschaften Wälder. Sie ernten Holz, sortieren und lagern es, ziehen und pflanzen Baumsetzlinge, bauen Wege sowie Erholungseinrichtungen und pflegen die Wildbestände.

Die Ausbildung im Überblick

Forstwirt/in ist ein 3-jähriger anerkannter Ausbildungsberuf in der Forstwirtschaft (Ausbildungsbereich Landwirtschaft).

Rechtlich ist keine bestimmte Vorbildung vorgeschrieben.
Die Betriebe stellen überwiegend Ausbildungsanfänger/innen mit mittlerem Bildungsabschluss ein. Etwa jede/r Achte der Ausbildungsanfänger/innen hatte vor Ausbildungsbeginn an einer betrieblichen Qualifizierungsmaßnahme teilgenommen.

Typische Branchen

Forstwirte/Forstwirtinnen finden Beschäftigung in erster Linie

  • in Forstbetrieben
  • bei forstwirtschaftlichen Dienstleistern
  • bei Forstämtern und -verwaltungen des Bundes, der Länder und der Gemeinden

Darüber hinaus finden sie auch Beschäftigung

  • in Landschaftsbau- und Baumpflegebetrieben

Wichtige Schulfächer

Vertiefte Kenntnisse in folgenden Schulfächern bilden gute Voraussetzungen für eine erfolgreiche Ausbildung:

Mathematik:

Angehende Forstwirte und Forstwirtinnen lernen, wie man Flächen- und Raumberechnungen erstellt. Kenntnisse in Mathematik sind in der Ausbildung daher hilfreich.

Biologie:

Als zukünftige/r Forstwirt/in beschäftigt man sich im Ausbildungsalltag mit den Bestandsarten im Wald, mit Vegetation und Vegetationsstörungen, mit Lebensgemeinschaften im Wald sowie mit Nützlingen und Schädlingen, die den Bestand beeinflussen. Biologische Kenntnisse sind für diese Ausbildung daher unabdingbar.

Werken/Technik:

Angehende Forstwirte und Forstwirtinnen arbeiten mit verschiedenen Werkzeugen und Geräten, wie beispielsweise Sägen, Motorsensen oder Entrindungsmaschinen. Wer technisches bzw. handwerkliches Geschick mitbringt, ist hier im Vorteil.

Interessen

Folgende Interessensind wichtig und hilfreich, um diesen Beruf erlernen und ausüben zu können. Die Interessen sind in der Reihenfolge ihrer Wichtigkeit genannt. Zu jedem Interessenbereich werden zur Veranschaulichung Tätigkeiten genannt.
  • Interesse an praktisch-konkreten Tätigkeiten
    • z.B. Einzäunen von Aufforstungsflächen gegen Wildverbiss
    • z.B. Anbringen von Schutzvorrichtungen an jungen Bäumen
    • z.B. Fällen, Transportieren und Sortieren von Bäumen
  • Interesse an organisatorisch-prüfenden Tätigkeiten
    • z.B. Überwachen des Schädlingsbefalls im Wald, Kontrollieren des Baumbestandes
  • Interesse an verwaltend-organisatorischen Tätigkeiten
    • z.B. Planen, Koordinieren und Organisieren von Baumfällarbeiten

Fähigkeiten, Kenntnisse und Fertigkeiten

Folgende Fähigkeiten, Kenntnisse und Fertigkeiten werden benötigt, um den Beruf lernen und ausüben zu können. Bei einigen Fähigkeiten wird ein Ausprägungsgradgenannt. Dieser gilt für den mittleren oder typischen Vertreter dieses Berufes.

Fähigkeiten

  • Knapp durchschnittliches allgemeines intellektuelles Leistungsvermögen
  • Beobachtungsgenauigkeit(z.B. Erkennen von Schadsymptomen an Pflanzen oder Tieren)
  • Handgeschick(z.B. Spalten, Zersägen und Entrinden von Stämmen)
  • Reaktionsgeschwindigkeit(z.B. schnelles, situationsgerechtes Reagieren in Gefahrensituationen bei Baumfällarbeiten)
  • Körperbeherrschung(z.B. Arbeiten auf Leitern beim Entfernen von Ästen)
  • Handwerkliches Geschick(z.B. Reparieren von Hochsitzen)
  • Technisches Verständnis(z.B. Pflegen und Instandhalten von Motorsägen, Entrindungsmaschinen oder Harvester und Forwarder bei der Holzernte)
  • Räumliche Orientierung(z.B. Wiederauffinden von Wegmarken im Wald)
Hinweis: Die Ausprägungsgrade beziehen sich auf Personen mit mittlerem Bildungsabschluss.

Kenntnisse und Fertigkeiten

  • Rechenfertigkeiten(z.B. Durchführen von Flächen- bzw. Raumberechnungen; Kalkulieren bei Holzauktionen)

Im Ausbildungsbetrieb lernen die Auszubildenden beispielsweise:

  • welche heimischen Wildarten es gibt und wie diese sich verhalten
  • welche verschiedenen Holzernteverfahren es gibt und wie man Bäume mit der Motorsäge fällt
  • welche Einsatzbereiche und -grenzen von Maschinen, Geräten, Werkzeugen und Betriebsmitteln es gibt
  • wie man technische Einrichtungen, Maschinen, Geräte und Werkzeuge auf ihre Betriebsbereitschaft prüft, sie auswählt und einsetzt
  • wie man vollmechanisierte Holzerntemaßnahmen vorbereitet und die Holzernte qualitätsorientiert sowie bestands- und bodenschonend durchführt
  • wie Holz vermessen, sortiert und gelagert wird und wie man es schützen und konservieren kann
  • wie man Saat- und Pflanzgut beurteilt und behandelt, Verjüngungs- und Kulturflächen vorbereitet und Maßnahmen naturnaher Waldbewirtschaftung durchführt
  • welche vorbeugenden Maßnahmen zum Schutz von Böden, Beständen und Produkten man ergreifen kann
  • wie jagdbetriebliche Einrichtungen hergestellt, gepflegt und instand gehalten werden
  • wie man Hecken, Freiflächen und Feuchtbiotope anlegt sowie Fließgewässer pflegt
Darüber hinaus werden während der gesamten Ausbildung Kenntnisse über Themen wie Rechte und Pflichten während der Ausbildung, Organisation des Ausbildungsbetriebs und Umweltschutz vermittelt.

In der Berufsschule erwirbt man weitere Kenntnisse:

  • in berufsspezifischen Lernfeldern (z.B. Erhalten von Umwelt, Natur und Landschaft, Ernten von Waldbäumen)
  • in allgemeinbildenden Fächern wie Deutsch und Wirtschafts- und Sozialkunde

Aufgaben und Tätigkeiten kompakt

Forstwirte und Forstwirtinnen begründen Waldbestände, d.h. sie forsten Flächen mit oft selbst gezogenen Bäumchen auf. Sie pflegen und schützen Waldflächen, indem sie Schädlinge bekämpfen, Areale mit jungen Bäumen einzäunen und Triebe mit chemischen Lösungen oder durch mechanische Schutzeinrichtungen vor Wildverbiss schützen. Auch pflegen sie (Feucht-)Biotope, Moore und Gewässer. Für die Walderneuerung gewinnen sie Samen der Waldbäume: Sie ernten Tannenzapfen oder sammeln die Samen von Laubbäumen. Bei der Holzernte fällen sie Bäume mit der Kettensäge, entasten, messen und markieren die Stämme. Oder sie setzen Holzerntemaschinen (Harvester) ein, die Bäume fällen, entasten, entrinden, zerteilen sowie vermessen und die dabei gewonnenen Daten direkt an forstwirtschaftliche Informationssysteme übermitteln. Sie bauen und unterhalten Waldwege und Forststraßen sowie Erholungseinrichtungen, z.B. Bänke und Picknickplätze, montieren Hochsitze, bringen Nistkästen an und richten Wildfutterplätze ein, die sie im Winter mit Futter versehen. Zu ihren Aufgaben gehört auch die Instandhaltung ihrer Arbeitsmittel – angefangen von traditionellen Werkzeugen bis zu hochmodernen Maschinen, Fahrzeugen und digitalen Geräten.

Aufgaben und Tätigkeiten (Beschreibung)

Worum geht es?

Forstwirte und Forstwirtinnen pflegen und bewirtschaften Wälder. Sie ernten Holz, sortieren und lagern es, ziehen und pflanzen Baumsetzlinge, bauen Wege sowie Erholungseinrichtungen und pflegen die Wildbestände.

Lebens- und Erholungsraum Wald

Dem Wald kommen wichtige Aufgaben zu: Bäume binden z.B. das Treibhausgas Kohlendioxid, filtern Schadstoffe aus und tragen damit zur Luftverbesserung bei. Ein gesunder Waldboden kann große Mengen an Wasser speichern und so u.a. Überschwemmungen verhindern. Der Wald ist Lebens- und Rückzugsraum für viele Tier- und Pflanzenarten, Erholungsort für Menschen und Produzent des nachwachsenden Rohstoffs Holz. Forstwirte und Forstwirtinnen sind in der Pflege, Erhaltung und der Bewirtschaftung dieses komplexen Systems tätig.
Sie säen in sogenannten Pflanzschulen Bäume aus, pflegen und vereinzeln Sämlinge und pflanzen größere Exemplare z.B. in brachliegenden Waldarealen aus. Junge Triebe schützen sie durch Auftragen von Speziallösungen oder mechanische Schutzeinrichtungen vor Wildverbiss. Sie überwachen Waldbestände auf Schädlingsbefall, z.B. durch Pilze oder Borkenkäfer, und bringen ggf. Schädlingsbekämpfungsmittel aus. Auch führen sie die sogenannte Wertästung durch: Sie entfernen Äste an den Baumstämmen, damit das spätere Holz möglichst gleichmäßig und frei von Astlöchern ist. Zur Wildpflege bauen sie Wildfutterstätten, montieren Nistkästen an und bringen im Winter Futter aus. Sie kontrollieren und reparieren Zäune sowie Hochsitze, zäunen Areale neu ein, legen Waldwege an, bessern bestehende aus und bauen bzw. warten Bänke, Sportgeräte oder Informationstafeln. Zur Sicherung der Bestände ernten sie die Samen von Waldbäumen, beispielsweise mithilfe von Netzen, die sie unter Bäume spannen, um die Samen aufzufangen. Gelegentlich geht es mithilfe von Seilen und Steigeisen auch hoch hinaus in die Baumwipfel, z.B. bei der Ernte von Tannenzapfen.

Forstwirtschaft: Natur und Technik

Der Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt auf der Holzernte. Vor dem Fällen legen Forstwirte und Forstwirtinnen zunächst die Fallrichtung des Baumes fest. Dann sägen sie mit der Kettensäge eine keilförmige Kerbe, den Fallkerb, in den Stamm. Auf der Gegenseite setzen sie den Fällschnitt, in den sie z.B. mit schweren Hämmern Metallkeile treiben, und so den Baum zum Kippen bringen. Sie vergewissern sich dabei laufend, dass niemand gefährdet wird, wenn der Baum fällt. Jetzt sägen sie noch die Bruchkante ab, messen den Stamm und zeichnen ihn aus. Bei ungünstig stehenden Bäumen, z.B. in der Nähe von Häusern oder Straßen, bringen sie vor dem Fällen ggf. Seilschlingen an, um den fallenden Baum mithilfe einer Seilwinde in die gewünschte Richtung lenken zu können. In Waldgebieten, die für die großen Harvester (Vollernter) unzugänglich sind, entasten Forstwirte und Forstwirtinnen die gefällten Bäume mit der Kettensäge, bevor die Stämme von Schleppern herausgezogen werden.
Die Digitalisierung macht auch vor der Waldwirtschaft nicht Halt, angefangen von Waldinformationssystemen über die Vernetzung der Holzernte bis zur digitalen Holzmessung. Harvester übernehmen nicht nur das Fällen, Entasten, Entrinden und Zerteilen der Stämme, sie sortieren und klassifizieren Stämme, berechnen die zu erwartende Holzausbeute und übertragen diese Daten an die Forwarder, die die Stämme einsammeln, aufladen und zwischenlagern. Echtzeitdaten über die Tagesproduktion können auch direkt mit der Holzbuchführung verknüpft werden. Mobile Endgeräte, Navigationssysteme und Laserscanner sind in der Waldwirtschaft keine Seltenheit mehr, und Drohnen können die Fachkräfte bei der Forstinventur unterstützen: Sie dokumentieren Sturmschäden, erkrankte oder zu dicht stehende Bäume und erkennen Schädlingsbefall.
Die Pflege und Wartung der Werkzeuge, Geräte und Fahrzeuge gehört ebenfalls zum Aufgabengebiet: Forstwirte schleifen stumpf gewordene Sägen nach, reinigen Fahrzeuge, schmieren bewegliche Bauteile und tauschen Verschleißteile aus.

Aufgaben und Tätigkeiten im Einzelnen

  • Waldbestände erneuern bzw. begründen
    • Saatgut gewinnen, z.B. mithilfe von Netzen, die unter Bäumen gespannt werden oder durch Erklettern der Bäume
    • Bäume ansäen, Sämlinge vereinzeln, junge Bäume auspflanzen
    • Triebe von Jungbäumen durch Aufbringen von Lösungen oder durch mechanische Schutzeinrichtungen z.B. vor Wildverbiss schützen
    • Schonungen (Bestände junger Bäume) zum Schutz vor Wildverbiss einzäunen, Zäune instandhalten
  • Waldbestände, Biotope und Gewässer, pflegen und schützen
    • Waldbestände durchforsten, d.h. zu dicht stehende Bestände auslichten
    • Wertästung durchführen
    • Schnee- und Windbruch beseitigen
    • Boden düngen (auch zur Verbesserung umweltgeschädigter Böden)
    • Bestände auf Schädlingsbefall kontrollieren, befallene Bäume und Totholz entfernen, ggf. Schädlingsbekämpfungsmittel ausbringen
    • (Feucht-) Biotope und Heideflächen erhalten, Gewässer pflegen
  • Holzernte durchführen
    • Bäume für die Holzernte kennzeichnen
    • Bäume mit der Kettensäge sowie ggf. seilunterstützt fällen, Stämme entrinden und entasten, Stämme und stärkere Äste zerteilen
    • Bäume mit (digitalisierten) Vollerntern (Harvestern) fällen, entasten, entrinden und zerteilen
    • Stämme vermessen und kennzeichnen
    • Baumstämme rücken, z.B. mit Schleppern und Seilwinden, Stämme mit dem Forwarder einsammeln, aufladen, transportieren, sortieren, stapeln und lagern
  • Waldwege bauen und unterhalten
    • Entwässerungsarbeiten durchführen, Drainagen legen
    • Wander- und Holzrückwege anlegen, befestigen und instand halten, dabei auch Erdbewegungs- und Baumaschinen führen
    • an den Wegrändern Gehölz und Pflanzen entfernen, ggf. Wegränder mähen
  • forsttechnische Maschinen, Einrichtungen, Geräte und Systeme bedienen
    • forstbetrieblich relevante Daten wie Waldzustand, -pflegeplanung, wirtschaftliche und Geometriedaten in Waldinformationssystemen erfassen
    • Laserscanner bedienen, z.B. zur Vermessung von Stämmen
    • Harvester, Forwarder, Schlepper, Erdbewegungsmaschinen führen
    • Kettensägen, Mähmaschinen, Seilwinden, Steigeisen und Handwerkzeuge einsetzen
    • Maschinen, Geräte, Handwerkzeuge warten, pflegen und instand setzen
  • in der Wildpflege mitwirken, z.B. Hochsitze und Wildfutterstellen bauen, Nistkästen anbringen, Futterstellen im Winter auffüllen
  • in Bestattungs- oder Friedwäldern z.B. Urnenbeisetzungen vorbereiten, Bestattungsbäume pflegen

(berufenet.arbeitsagentur.de)

Foto: panthermedia.net/kwasny222

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