Ausbildung als Gerichtsvollzieher/-in

Mittlerer Dienst

Gerichtsvollzieher/innen setzen Urteile und Beschlüsse des Gerichts durch. Sie stellen Pfändungs- und Vollstreckungsbescheide zu und nehmen Pfändungen und Versteigerungen von beweglichen Sachen vor, um Gläubigern zum Ausgleich ihrer mittels eines richterlichen Beschlusses erklärten Forderungen zu verhelfen.

Die Ausbildung im Überblick

Die Weiterbildung zum Gerichtsvollzieher/zur Gerichtsvollzieherin im mittleren Dienst erfolgt als 1,5- bis 2-jähriger Vorbereitungsdienst . Sie ist durch Verordnungen der Bundesländer geregelt und führt zu einer Laufbahnprüfung.

Daneben besteht in Baden-Württemberg die Möglichkeit, die Befähigung für den Gerichtsvollzieherdienst im Rahmen eines Bachelorstudiums zu erwerben.

Voraussetzung ist die Fachhochschulreife oder die allgemeine Hochschulreife bzw. ein vergleichbarer Bildungsabschluss.

Typische Branchen

Gerichtsvollzieher/innen finden Beschäftigung im Gerichtsvollzieherwesen.

Gehobener Dienst

Gerichtsvollzieher/innen setzen Urteile und Beschlüsse des Gerichts durch. Sie stellen Pfändungs- und Vollstreckungsbescheide zu und nehmen Pfändungen und Versteigerungen von beweglichen Sachen vor, um Gläubigern zum Ausgleich ihrer mittels eines richterlichen Beschlusses erklärten Forderungen zu verhelfen.

Die Ausbildung im Überblick

Die Ausbildung im gehobenen Gerichtsvollzieherdienst erfolgt als Vorbereitungsdienst , der als 3-jähriges Bachelorstudium organisiert ist. Sie ist durch Verordnungen des Bundeslandes Baden-Württemberg geregelt und führt zu einer Laufbahn-/Bachelorprüfung.

Über das Studienangebot informiert KURSNET – Das Portal für berufliche Aus- und Weiterbildung.

Daneben besteht die Möglichkeit, die Befähigung für den Gerichtsvollzieherdienst im Rahmen einer Weiterbildung im mittleren Justizdienst zu erwerben.

Typische Branchen

Gerichtsvollzieher/innen finden Beschäftigung im Gerichtsvollzieherwesen.

Wichtige Vorkenntnisse

Vertiefte Kenntnisse in folgenden Schulfächern bilden gute Voraussetzungen für ein erfolgreiches Studium:

Recht:

Gute Kenntnisse rechtlicher Zusammenhänge sind notwendig, da das Studium einen hohen Anteil an Rechtswissenschaften (z.B. Bürgerliches Recht, Handels- und Gesellschaftsrecht, Zivilprozessrecht, Gerichtsvollzieherkostenrecht, Steuer-, Arbeits- und Sozialrecht, Strafrecht) aufweist.

Deutsch:

Gute sprachliche Ausdrucksfähigkeit und sichere Rechtschreibung sind wichtig, da während des Studiums Vorträge zu erarbeiten und zu halten sowie Rollenspiele durchzuführen sind.

Mathematik:

Kenntnisse in Mathematik werden benötigt, um z.B. Kosten zu ermitteln.

Interessen

Folgende Interessensind wichtig und hilfreich, um diesen Beruf erlernen und ausüben zu können. Die Interessen sind in der Reihenfolge ihrer Wichtigkeit genannt. Zu jedem Interessenbereich werden zur Veranschaulichung Tätigkeiten genannt.
  • Interesse an verwaltend-organisatorischen Tätigkeiten
    • z.B. Zustellen von Pfändungs- und Überweisungsbeschlüssen
    • z.B. Beurkunden von Leistungsangeboten
    • z.B. Dokumentieren des Verlaufs und der Ergebnisse von Pfändungen oder Zwangsversteigerungen
  • Interesse an organisatorisch-prüfenden Tätigkeiten
    • z.B. Einholen von Informationen über die Vermögensverhältnisse von Schuldnern
    • z.B. Taxieren von Pfändungsgegenständen
  • Interesse an praktisch-konkreten Tätigkeiten
    • z.B. Sicherstellen und Abtransportieren von Pfändungsgegenständen bei Schuldnern
    • z.B. Räumen von Wohnungen oder Geschäftsräumen
  • Interesse an sozial-beratenden Tätigkeiten
    • z.B. Beraten von Schuldnern über Möglichkeiten der Schuldentilgung

Fähigkeiten, Kenntnisse und Fertigkeiten

Folgende Fähigkeiten, Kenntnisse und Fertigkeiten werden benötigt, um den Beruf lernen und ausüben zu können. Bei einigen Fähigkeiten wird ein Ausprägungsgradgenannt. Dieser gilt für den mittleren oder typischen Vertreter dieses Berufes.

Fähigkeiten

  • Durchschnittliches allgemeines intellektuelles Leistungsvermögen
  • Durchschnittliches rechnerisches Denken(Beispiele siehe unter Kenntnisse und Fertigkeiten)
  • Durchschnittliches sprachliches Denken(Beispiele siehe unter Kenntnisse und Fertigkeiten)
  • Daueraufmerksamkeit(z.B. Achten auf neue Gebote während einer Versteigerung)
  • Merkfähigkeit(z.B. Aneignen und Abrufen von Kenntnissen über den Wert von Pfändungsgegenständen)
  • Handgelenk-Finger-Geschwindigkeit(z.B. Bedienen der PC-Tastatur beim Erledigen von Schreibarbeiten am Computer)
  • Körperbeherrschung(z.B. Räumen einer Wohnung)
  • Befähigung zum Planen und Organisieren(z.B. Abstimmen und Koordinieren von Terminen)
Hinweis: Die Ausprägungsgrade beziehen sich auf Personen mit mittlerem Bildungsabschluss.

Kenntnisse und Fertigkeiten

  • Rechenfertigkeiten(z.B. schnelles und sicheres Berechnen des Wertes von Pfändungsgegenständen)
  • Verständnis für mündliche Äußerungen(z.B. Entgegennehmen von Erklärungen eines Schuldners)
  • Mündliches Ausdrucksvermögen(z.B. Beraten eines Schuldners über Tilgungsmöglichkeiten)
  • Textverständnis(z.B. Verstehen gerichtlicher Anordnungen)
  • Schriftliches Ausdrucksvermögen und Rechtschreibsicherheit(z.B. Verfassen von Berichten über den Verlauf einer Vollstreckungsmaßnahme)

Ausbildungsinhalte

Die Studieninhalte sind in Modulform organisiert.
Während der theoretischen Studienabschnitte erwirbt man beispielsweise Kenntnisse in den folgenden Bereichen:
  • Grundlagen des Rechts und Methodenlehre
  • Bürgerliches Recht
  • Zivilprozessrecht, insbesondere Zwangsvollstreckungs- und Zustellungsrecht
  • Gerichtsvollzieherkostenrecht und Gerichtsvollzieherordnung
  • Handels- und Gesellschaftsrecht
  • Wertpapier-, Wechsel- und Versicherungsrecht
  • Steuer-, Arbeits- und Sozialrecht
  • Betriebswirtschaftslehre
  • Justizverwaltungsrecht
  • Kommunikations- und Deeskalationstechniken
  • Interkulturelle Kompetenz
  • Staats-, Verwaltungs- und Europarecht
  • Strafrecht
Während der praktischen Studienabschnitte erwirbt man berufliche Kenntnisse und Erfahrungen.

Aufgaben und Tätigkeiten kompakt

Gerichtsvollzieher/innen nehmen auf Betreiben von Gläubigern Zwangsvollstreckungen des beweglichen Vermögens von Schuldnern in den ihnen zugewiesenen Bezirken vor. Erteilen Schuldner keine Auskunft über ihre Vermögensverhältnisse, können Gerichtsvollzieher/innen auch Informationen von dritter Seite einholen. Sie stellen Pfändungsbeschlüsse zu, taxieren Pfändungsgegenstände und erwirken deren Herausgabe. Nach einer erfolglosen Pfändung können sie dem Schuldner die eidesstattliche Versicherung abnehmen. Zudem leiten Gerichtsvollzieher/innen die Zwangsräumung von Wohnungen und Geschäftsräumen und die Versteigerung von gepfändeten Wertgegenständen, setzen gerichtlich angeordnete Kindesherausgaben und die zwangsweise Vorführung von Zeugen vor Gericht durch. Im Büro fertigen sie z.B. Protokolle an, führen Akten und Bücher und wickeln den Zahlungsverkehr ab.

Aufgaben und Tätigkeiten (Beschreibung)

Worum geht es?

Gerichtsvollzieher/innen setzen Urteile und Beschlüsse des Gerichts durch. Sie stellen Pfändungs- und Vollstreckungsbescheide zu und nehmen Pfändungen und Versteigerungen von beweglichen Sachen vor, um Gläubigern zum Ausgleich ihrer mittels eines richterlichen Beschlusses erklärten Forderungen zu verhelfen.

Eigenverantwortlichkeit auf gesetzlichen Grundlagen

Gerichtsvollzieher/innen sind in einem vom Amtsgericht zugeteilten Zuständigkeitsbezirk tätig. Sie sind befugt, eigenverantwortliche Entscheidungen über die Abwicklung von Gläubigeraufträgen und die zwangsweise Durchsetzung von Ansprüchen zu treffen. Dabei sind sie ausschließlich an das Gesetz gebunden.
Auf der Grundlage gerichtlicher Entscheidungen verhelfen Gerichtsvollzieher/innen den Gläubigern, ihre Ansprüche, z.B. Geldforderungen, durchzusetzen. Dabei berücksichtigen sie die Interessen und Rechte der Gläubiger und Schuldner gleichermaßen. So versuchen sie zunächst z.B., eine gütliche Einigung zwischen den Parteien zu erzielen, etwa indem sie eine Ratenzahlung vereinbaren. Kommt keine gütliche Einigung zustande, können Gerichtsvollzieher/innen auf Antrag Zwangsvollstreckungsmaßnahmen durchführen. Sie verschaffen sich einen Überblick über die wirtschaftliche Situation eines Schuldners und holen dazu auch Auskünfte über dessen Vermögensverhältnisse ein, beispielsweise bei den Trägern der gesetzlichen Rentenversicherung. Außerdem ermitteln sie pfändbare Wertgegenstände, bringen Pfandsiegel an, beschlagnahmen bewegliche Sachen, versteigern Vermögensgegenstände und zahlen den Erlös an den Gläubiger aus.
Daneben stellen Gerichtsvollzieher/innen wichtige Dokumente zu, beispielsweise gerichtliche Bescheide über Zwangsvollstreckungen, Vergleiche und Ladungen oder außergerichtliche Schriftstücke. Erscheinen Zeugen trotz Ladung nicht bei Gericht, können Gerichtsvollzieher/innen sie verhaften und zwangsweise vorführen. Ebenso gehört das Organisieren und Durchführen von Wohnungsräumungen zu ihren Aufgaben, wenn ein Räumungsurteil vorliegt und der Mieter die Wohnung nicht freiwillig räumt.
Liegt bei einem Familienstreitfall ein Beschluss über die Pflicht zur Herausgabe eines Kindes vor und wird dem nicht nachgekommen, setzen Gerichtsvollzieher/innen den Beschluss durch und holen das Kind ab, ggf. mit Unterstützung des Jugendamtes und der Polizei.

Büro und Außendienst

Da Gerichtsvollzieher/innen i.d.R. in eigenen Büros arbeiten, erledigen sie alle damit verbundenen organisatorischen und betriebswirtschaftlichen Aufgaben. Sie beraten Schuldner, planen ihre Außendiensteinsätze, protokollieren die vor Ort durchgeführten Maßnahmen, füllen Formulare aus und erstellen Kostenabrechnungen. Bei Bedarf stellen sie auch in eigener Verantwortung Mitarbeiter/innen für Büroarbeiten ein.

Aufgaben und Tätigkeiten im Einzelnen

  • Informationen über die Vermögensverhältnisse von Schuldnern einholen, ggf. auch von dritter Seite wie Rentenversicherungsträgern
  • Pfändungs- und Überweisungsbeschlüsse zustellen
  • Pfändungsgegenstände taxieren
  • bewegliche Sachen wegen Geldforderungen pfänden und versteigern oder zur Erwirkung der Herausgabe wegnehmen
  • Forderungen durch vorläufiges Zahlungsverbot vorpfänden
  • Grundstücke, Wohnungen, Geschäftsräume aufgrund eines Räumungsurteils oder nach Zwangsversteigerung räumen
  • gerichtlich festgestellten Anspruch auf Herausgabe eines Kindes durchsetzen
  • ggf. mit Schuldnern und Gläubigern über Schuldentilgung mittels Ratenzahlung verhandeln
  • den Schuldnern beratende Hilfestellung leisten
  • Schuldner zur Erwirkung, Duldung oder Unterlassung von Handlungen, zur Erzwingung der Ableistung der eidesstattlichen Versicherung (Vermögensoffenbarung) oder zum Zwecke des persönlichen Sicherheitsarrestes verhaften
  • Zeugen, die trotz Ladung nicht erschienen sind, zwangsweise vorführen lassen
  • Leistungsangebote beurkunden
  • durchgeführte Maßnahmen und deren Abrechnung schriftlich dokumentieren
  • je nach Bundesland einen eigenen Geschäftsbetrieb mit Büro und Sprechzeiten führen, je nach Bedarf Mitarbeiter/innen einstellen

(berufenet.arbeitsagentur.de)

Foto: panthermedia.net/miklav

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