Ausbildung als Handelsfachwirt/-in

Handelsfachwirte und Handelsfachwirtinnen organisieren und überwachen Arbeitsprozesse im Einzelhandel sowie im Groß- und Außenhandel.

Die Ausbildung im Überblick

Die Ausbildung Handelsfachwirt/in ist eine doppelt qualifizierende Erstausbildung. Sie führt zu einem Abschluss in einem anerkannten kaufmännischen Ausbildungsberuf (duale Berufsausbildung) und parallel dazu zu dem bundesweit einheitlich geregelten Abschluss Handelsfachwirt/in. Die i.d.R. 3-jährige Ausbildung wird an Bildungseinrichtungen des Handels und der Industrie- und Handelskammern sowie in Wirtschaftsbetrieben und in Berufsschulen durchgeführt.

Daneben besteht die Möglichkeit, eine Weiterbildung zum Handelsfachwirt/zur Handelsfachwirtin zu absolvieren.

Voraussetzung für die Zulassung zur Weiterbildungsprüfung ist in der Regel die Abschlussprüfung in einem anerkannten kaufmännischen Ausbildungsberuf im Handel oder eine abgeschlossene Ausbildung als Verkäufer/in, Fachlagerist/in oder in einem anerkannten dreijährigen kaufmännisch-verwaltenden Ausbildungsberuf jeweils in Verbindung mit einer entsprechenden einschlägigen Berufstätigkeit. Auch mit dem Erwerb von mindestens 90 ECTS-Punkten in einem betriebswirtschaftlichen Studium und mindestens zwei Jahren einschlägiger Berufspraxis ist eine Zulassung möglich.
Alternativ kann man z.B. mit einer mindestens fünfjährigen einschlägigen Berufstätigkeit zur Weiterbildungsprüfung zugelassen werden.

Typische Branchen

Handelsfachwirte und -fachwirtinnen finden Beschäftigung

  • in Einzelhandels- sowie Groß- und Außenhandelsunternehmen
  • in Handel treibenden Unternehmen aller Wirtschaftsbereiche

Wichtige Vorkenntnisse

Vertiefte Kenntnisse in folgenden Bereichen bilden gute Voraussetzungen für das erfolgreiche Bestehen der Weiterbildungsprüfung:

Wirtschaft/Recht:

Da Prüfungsaufgaben aus dem Handelsmarketing und dem Personalmanagement zu beantworten sind, sind gute Kenntnisse in diesem Bereich erforderlich.
Um im späteren Berufsalltag beispielsweise Maßnahmen zur Kundengewinnung und -bindung erarbeiten zu können, benötigen Handelsfachwirte und -fachwirtinnen Kenntnisse auf Gebieten des Vertrags- und Wettbewerbsrechts und müssen die wirtschaftlichen Zusammenhänge gut kennen.

Rechnen/Mathematik:

In der Prüfung sind u.a. Personalkosten zu berechnen und Aufgaben aus der Kosten- und Leistungsrechnung zu lösen.
Im Berufsleben gehört Mathematik für Handelsfachwirte und -fachwirtinnen zum Alltag, z.B. wenn sie Kosten-Nutzen-Analysen erstellen, die Kosten- und Leistungsrechnung durchführen oder Preise kalkulieren.

Interessen

Folgende Interessen sind wichtig und hilfreich, um diesen Weiterbildungsberuf ausüben zu können. Dabei werden besonders die Interessen hervorgehoben, die im Vergleich zu den einschlägigen Ausbildungsberufen an Bedeutung gewinnen. Zu jedem Interessenbereich werden zur Veranschaulichung Tätigkeiten genannt.
  • Interesse an kaufmännisch-organisatorischen Tätigkeiten
    • z.B. Planen und Durchführen von Werbe- und Verkaufsförderungsaktionen nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten
    • z.B. Anleiten und fachliches Unterstützen der Mitarbeiter/innen im Verantwortungsbereich, um anhaltend gute Geschäftsprozesse in Handelsunternehmen des Groß- und Einzelhandels zu erzielen
    • z.B. Planen und Steuern der Arbeitsprozesse mit dem Ziel, möglichst wirtschaftliche Abläufe zu erreichen
  • Interesse an verwaltend-organisatorischen Tätigkeiten
    • z.B. sorgfältiges und strukturiertes Führen von Personalakten
    • z.B. Dokumentieren des Wareneingangs und der Liefertermine
  • Interesse an sozial-beratenden Tätigkeiten
    • z.B. Eingehen auf Kundenwünsche bei der Kundenberatung

Fähigkeiten, Kenntnisse und Fertigkeiten

Folgende Fähigkeiten , Kenntnisse und Fertigkeiten werden für die Ausübung der möglichen Tätigkeiten im Weiterbildungsberuf benötigt. Bei einigen Fähigkeiten wird ein Ausprägungsgrad genannt. Dieser gilt für den mittleren oder typischen Vertreter dieses Berufes.

Fähigkeiten

  • Leicht überdurchschnittliches allgemeines intellektuelles Leistungsvermögen 
  • Leicht überdurchschnittliches rechnerisches Denken (Beispiele siehe unter Kenntnisse und Fertigkeiten)
  • Leicht überdurchschnittliches sprachliches Denken (Beispiele siehe unter Kenntnisse und Fertigkeiten)
  • Kaufmännische Befähigung (z.B. Erkennen von Absatzchancen und Marktentwicklungen; Überwachung der Kostenentwicklung; Gewinnen und Binden von Kunden)
  • Befähigung zum Planen und Organisieren (z.B. Planen, Vorbereiten und Umsetzen von Marketingkonzepten; Aufbau und Optimierung von Vertriebsorganisationen)
Hinweis: Die Ausprägungsgrade beziehen sich auf Personen mit Hauptschulabschluss.
Darüber hinaus werden folgende Fähigkeiten benötigt, die auch für die Ausübung der Tätigkeiten in den einschlägigen Ausbildungsberufen erforderlich sind:
  • Merkfähigkeit (z.B. Einprägen von Namen, Gesichtern und Sachverhalten von Kunden nach Beratungsgesprächen)

Kenntnisse und Fertigkeiten

  • Rechenfertigkeiten (z.B. Erstellen von Kosten- und Gewinnkalkulationen; Erstellen und Auswerten von Verkaufsstatistiken und Diagrammen)
  • Verständnis für mündliche Äußerungen (z.B. Problembeschreibungen von Handelskunden, etwa Lieferanten oder Abnehmern, angemessen aufnehmen und verarbeiten)
  • Mündliches Ausdrucksvermögen (z.B. Beraten von Kunden; Gesprächsführung mit Lieferanten, Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen)
  • Textverständnis (z.B. Lesen und Verstehen von Prospekten und Produktbeschreibungen sowie Recht- und Fachtexten)
  • Schriftliches Ausdrucksvermögen und Rechtschreibsicherheit (z.B. Führen des Schriftverkehrs mit Kunden, Lieferanten und Behörden; Verfassen von Angeboten und Produktbeschreibungen)

Verpflichtende Handlungsbereiche

  • Unternehmensführung und -steuerung
  • Führung, Personalmanagement, Kommunikation und Kooperation
  • Handelsmarketing
  • Beschaffung und Logistik

Handlungsbereiche zur Wahl

  • Vertriebssteuerung
  • Handelslogistik
  • Einkauf
  • Außenhandel

Spezialisierung während der Weiterbildung

Im Rahmen der Weiterbildung spezialisiert man sich auf einen der folgenden Bereiche:
  • Vertriebssteuerung
  • Handelslogistik
  • Einkauf
  • Außenhandel

Aufgaben und Tätigkeiten kompakt

Handelsfachwirte und Handelsfachwirtinnen planen, koordinieren, steuern und kontrollieren handelsspezifische Geschäftsprozesse, vor allem in den betrieblichen Funktionsbereichen Ein- und Verkauf, Marketing und Vertrieb, Logistik oder Personal. Sie erledigen Aufgaben im Rechnungswesen und bereiten Entscheidungen für die Geschäftsleitung vor. In ihren jeweiligen Verantwortungsbereichen führen sie Mitarbeiter/innen, fördern deren berufliche Entwicklung und Weiterbildung, organisieren die Berufsausbildung und führen sie durch.
In der Beschaffung und Logistik führen sie beispielsweise Einkaufsverhandlungen mit Lieferanten und sorgen dafür, dass Waren sachgerecht und wirtschaftlich transportiert und gelagert werden. Im Marketing entwickeln sie Werbe- und Marketingmaßnahmen, setzen sie um und kontrollieren, ob angestrebte Ziele, etwa eine Umsatzsteigerung, damit erreicht werden konnten. Sie wirken mit bei der Gestaltung des Sortiments und der Vertriebsprozesse. In der Personalwirtschaft erstellen sie z.B. Dienstpläne und übernehmen Aufgaben in den Bereichen Personalplanung, -beschaffung sowie -verwaltung.

Aufgaben und Tätigkeiten im Einzelnen

  • Organisations-, Steuerungs- und Führungsaufgaben übernehmen
    • Konzepte zur Optimierung von innerbetrieblichen Arbeitsabläufen entwickeln und umsetzen
    • bei der Unternehmensplanung und der Festlegung von Organisationsanweisungen mitarbeiten
    • Kosten- und Leistungsrechnung durchführen, Controllinginstrumente im jeweiligen Zuständigkeitsbereich anwenden
    • Finanzierungsentscheidungen vorbereiten
    • Qualitäts- und Umweltmanagementprozesse umsetzen und optimieren
    • Maßnahmen des Risikomanagements umsetzen
    • Mitarbeiter/innen, Auszubildende und Projektgruppen führen und motivieren, Teamentwicklung fördern
  • Tätigkeiten im Marketing und in der Vertriebssteuerung ausführen
    • Markt- und Zielgruppenanalysen auswerten, (ggf. auch internationale) Marktentwicklungen analysieren, Marktstrategien ableiten
    • Marketinginstrumente unter Berücksichtigung von Standort und Zielgruppen einsetzen
    • Sortiment und Warenpräsentation gestalten
    • Werbekonzepte, Verkaufsförderungsmaßnahmen, kundenorientierte Servicepolitik und Öffentlichkeitsarbeit planen und umsetzen
    • Vertriebskonzepte weiterentwickeln und Vertriebsstrategien umsetzen
    • ggf. Import-, Export- und Transithandelsgeschäfte anbahnen und abwickeln
  • Aufgaben in Einkauf, Beschaffung und Logistik ausführen
    • Bedarf an Gütern und Dienstleistungen ermitteln
    • kaufmännische Rahmenbedingungen wie das Budget für Wareneinkauf nach Vorgaben der Geschäftsleitung festlegen
    • Vertragskonditionen vergleichen, Verhandlungen mit Lieferanten führen, Aufträge vergeben bzw. Waren bestellen
    • Transport-, Lager- und Entsorgungsprozesse planen, steuern, kontrollieren und optimieren
  • Aufgaben im Personalmanagement übernehmen
    • Personalbedarfs-, -kosten- und -einsatzplanung durchführen
    • Personalmarketing durchführen, bei Personalauswahl und -einstellung mitwirken
    • Mitarbeitergespräche führen, Beurteilungssysteme umsetzen
    • Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen planen, organisieren und durchführen

(berufenet.arbeitsagentur.de)

Foto: pixabay.com

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