Jede zweite Firma ohne Azubi

IHK-Umfrage 2018: Nachwuchsmangel durch steigende Anforderungen und fehlende Ausbildungsreife

Fast jeder zweite Ausbildungsbetrieb in Nordhessen und dem Altkreis Marburg hat Probleme bei der Nachwuchsgewinnung. 44 Prozent der Firmen konnten im vergangenen Jahr ihre Ausbildungsplätze nicht besetzen. Damit liegen die Betriebe aus dem IHK-Bezirk Kassel-Marburg deutlich unter dem bundesdeutschen Durchschnitt von 34 Prozent. Zu diesem Ergebnis kommt die Ausbildungsumfrage 2018 des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) und der IHK Kassel-Marburg, an der gut 100 regionale Betriebe im IHK-Bezirk teilnahmen.

61 Prozent der Befragten gaben demnach an, es hätten sich nicht genügend Bewerber gemeldet. 30 Prozent sagten, die ausgewählten Bewerber hätten ihre Stelle nicht angetreten. „Für die Betriebe ist das eine echte Belastungsprobe, der sie aber offensichtlich proaktiv begegnen“, sagte der Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Kassel-Marburg, Jörg Ludwig Jordan. So bildeten bereits 34 Prozent der Firmen Flüchtlinge aus, die helfen würden, den Fachkräftemangel zu beheben.

Doch auch die Betriebe, die Bewerbungen erhalten, stehen vor Problemen. So beklagten 80 Prozent der Befragten, dass viele Schulabgänger unklare Vorstellungen über die Anforderungen im Beruf hätten. Außerdem mangele es häufig an Ausbildungsreife. Viele der Ausbildungsverantwortlichen gaben an, dass es ihren Lehrlingen an Leistungsbereitschaft und Motivation (69 Prozent) sowie an Disziplin (64 Prozent) und Belastbarkeit (63 Prozent) fehle. Knapp zwei Drittel der Befragten berichteten von mangelnden Deutsch und Mathekenntnissen. Damit die Auszubildenden die steigenden Anforderungen bewältigen können, bietet beinahe die Hälfte der Betriebe eigene Nachhilfe an.

IT-Kenntnisse wichtig

Lücken sieht Jordan auch bei den für die Betriebe wichtigen IT-Kenntnissen der Jugendlichen. Zwar verfügen laut Studie 60 Prozent der Auszubildenden über das geforderte Basiswissen, weitere acht Prozent sogar über gute IT-Fähigkeiten. Auch zeichnet sich etwa die Hälfte der jungen Menschen durch sehr gute Social-Media-Kenntnisse aus. Aber in den sensiblen Bereichen IT-Sicherheit und Datenschutz besteht laut Jordan noch Schulungsbedarf.
Trotz all der Hemmnisse ist die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe im IHK-Bezirk Kassel-Marburg weiterhin hoch. Dafür spräche auch das Plus an neuen Ausbildungsverträgen von 3,1 Prozent zu Beginn des Monats, so Jordan. Ein gutes Zeugnis stellten die befragten Ausbildungsverantwortlichen den Berufsschulen aus. 84 Prozent sind demnach sehr zufrieden oder zufrieden mit ihrer Schule. Allerdings fordern 52 Prozent eine bessere Ausstattung.

„Tag des Nachwuchses“

Um Schüler für die duale Ausbildung in heimischen Unternehmen zu gewinnen, veranstaltet die IHK Kassel-Marburg am 2. November den „Tag des Nachwuchses“. Dann öffnen Ausbildungsbetriebe von 14 bis 18 Uhr ihre Türen. Interessierte Jugendliche können sich vor Ort bei Betriebsführungen und Gesprächen mit Auszubildenden und Ausbildern informieren. Die Unternehmen können dazu im Vorfeld unter www.ihk-perfectmatch.de/unternehmen ein Kurzprofil samt Ausbildungsangebot hochladen. Voraussichtlich ab Ende August können sich Jugendliche für einen Unternehmensbesuch anmelden.

Jetzt bewerben für den Ausbildungspreis

Um das Engagement der regionalen Ausbildungsbetriebe zu würdigen, wird erneut der Ausbildungspreis verliehen. Teilnehmen können ausbildende Unternehmen aus dem nordhessischen Verbreitungsgebiet der vier Tageszeitungen HNA, Werra-Rundschau, Hersfelder Zeitung und Waldeckische Landeszeitung. Gesucht werden innovative Ausbildungsprojekte, pfiffige Ideen und erfolgreiche Beispiele für Integration. Das Preisgeld für den ersten Platz beträgt 1500 Euro, für den zweiten 1000 Euro und für den dritten 500 Euro.

Einsendeschluss der Unterlagen ist der 10. August:

E-Mail
ausbildungspreis@hna.de,

Post
Ausbildungspreis 2018,
HNAChefredaktion, z. Hd. Jan Schlüter,
Frankfurter Straße 168, 34121
Kassel, Fax: 0561 / 20324 06

Text: Nicole Schippers
Foto: Patrick Pleul/dpa

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