Schweigepflicht im Beruf

Vom Arbeitstag erzählen und sich über Kunden oder Kollegen beschweren. Für viele von uns eine Selbstverständlichkeit und oft ein Riesenspaß. Aber wenn der Beruf unter die Schweigepflicht fällt, kann das schnell problematisch werden.

Was genau ist die Schweigepflicht?

So wird die Verschwiegenheitspflicht verschiedener Berufsgruppen genannt. Es bedeutet, dass diese Personen keine Informationen oder Geheimnisse, mit denen sie am Arbeitsplatz zu tun haben, weitergeben dürfen. Ein Beispiel, das wahrscheinlich jeder kennt, ist der Arzt, der nichts davon weiter erzählen darf, was ihm vom Patienten anvertraut wurde.

Die Verschwiegenheit betrifft jede Information, die der Geheimnisträger bekommt. Es gibt auch die sogenannten Betriebsgeheimnisse in vielen Unternehmen, die man nicht weiter erzählen darf, auch wenn man schon gar nicht mehr dort angestellt ist. Die Schweigepflicht greift auch gegenüber der Familie und auch vor Gericht. Dort kann eine Aussage aus diesem Grund verweigert werden.

Unterschieden wird zwischen betrieblicher und beruflicher Schweigepflicht. Die betriebliche Schweigepflicht betrifft Betriebsgeheimnisse, sprich Details zur Produktion, Absatzzahlen, Kundendaten und Personaldaten. Wiederum die berufliche Schweigepflicht beginnt sofort mit Berufsausübung und greift bis vor Gericht und auch gegenüber der Polizei.

Diese Berufe sind betroffen

Allgemein ist erst einmal jeder Arbeitnehmer verpflichtet bei Firmengeheimnissen und Details zu schweigen. Das muss nicht extra im Arbeitsvertrag aufgeführt werden, ist aber im Arbeitsgesetz so festgeschrieben.

Für alle Arbeitnehmer gilt die betriebliche Schweigepflicht, bei der man sich zur absoluten Verschwiegenheit bei Betriebsgeheimnissen verpflichtet. In diesem Moment wird man zum Geheimnisträger. Die Person, deren Informationen geschützt werden, nennt man Geheimnisherr. Im Sinne des Datenschutzes fallen solche Informationen unter das Betriebsgeheimnis und dürfen nicht weiter gegeben werden, auch wenn man selbst schon gar nicht mehr in diesem Betrieb arbeitet.

Dann existiert außerdem die berufliche Schweigepflicht, zu der man sich direkt bei Beginn der Ausbildung oder des Praktikums verpflichtet. Dazu gehören im Grunde alle Berufe in der Pflege und Medizin sowie Apotheker, Geistliche, Versicherungsangestellte, Juristen, Steuerberater, Psychotherapeuten und Berater im sozialen Bereich.

Sinn des Ganzen ist es folgende Punkte zu sichern:

  • Schutz des Rechts auf informationelle Selbstbestimmung
  • Schutz des persönlichen Lebensbereichs (Privatsphäre)
  • Schutz vor Diskriminierung (auch bei Krankheiten oder Infektionen etc.)

Das sind die Ausnahmen

Wenn du eine ausdrückliche Erlaubnis hast
Der Betroffene oder der Patient befreit dich ausdrücklich von der Schweigepflicht. Die Erlaubnis erfolgt immer schriftlich, damit man in jedem Fall abgesichert ist.

Wenn es eine stillschweigende/mutmaßliche Erlaubnis gibt
Hier ist keine schriftliche Erlaubnis notwendig. Ein Beispiel wäre eine Überweisung von einem Arzt zum nächsten. Ist ein Patient damit einverstanden, hat er auch eingewilligt, dass seine Patientenakte weiter gegeben wird. Auch wenn der Patient durch einen Unfall oder eine Straftat bewusstlos ist, greift diese Regel.

Wenn die gesetzliche Auskunftspflicht greift
Krankenhäuser müssen immer Daten vom Patienten an seine Krankenkasse weitergeben. Außerdem müssen sie in besonderen Fällen Behörden wie das Gesundheitsamt über bestimmte Infektionen informieren.

Wenn ein rechtfertigender Notstand besteht
Damit ist gemeint, dass man wenn (lebensbedrohliche) Gefahr besteht, die Schweigepflicht brechen darf. In der Sozialarbeit darf zum Beispiel die Info, dass ein Kind in Gefahr schwebt, weitergegeben werden.

Wenn jemand eine Straftat plant
Wenn du mitbekommst, dass jemand eine Straftat plant, dann darfst du der Polizei davon erzählen und wirst nicht dafür belangt.

Ist es schlimm, wenn ich die Schweigepflicht verletze?

Ja. Im schlimmsten Fall kann dich das sogar deinen Job kosten. Dazu kommen meistens auch Geldstrafen oder ein Jahr Haft. Außerdem kannst du eine Sperre bekommen, die dich daran hindert den Beruf weiter auszuüben.

Also ist es am besten, wenn man einfach auf Nummer sicher geht und lieber weniger sagt, als zu viel. Wenn du nicht sicher bist, ob dein Job unter das Betriebsgeheimnis fällt, frag lieber nach.

Foto: pexels.com

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